Vladimír Špidla, der für Beschäftigung,
soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit zuständige Kommissar, sagte:
„Das Ticken der demografischen Zeitbombe muss jetzt zum Handeln und zu
Reformen führen. Wir haben ein Zeitfenster von 10 Jahren vor uns. Nutzen
wir es!“
In der neuen Mitteilung werden fünf Bereiche für konkrete
Maßnahmen festgelegt, damit den Mitgliedstaaten bei der Anpassung an den
demografischen Wandel in ihrem eigenen nationalen Kontext geholfen werden kann:
* Unterstützung für die Menschen, Berufs-, Familien-
und Privatleben miteinander zu verbinden, damit potentielle Eltern so viele
Kinder haben können, wie sie wünschen;
* Verbesserung der Berufsmöglichkeiten für ältere Menschen;
* Verstärkung des Potenzials, der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit
durch Einbeziehung sowohl älterer als auch jüngerer Beschäftigter;
* Nutzung der positiven Auswirkungen der Migration für den Arbeitsmarkt;
* Sicherstellung tragfähiger öffentlicher Finanzen, um dazu beizutragen,
den Sozialschutz langfristig zu gewährleisten.
Kommissar Špidla fügte hinzu: „Das Europa von
morgen beginnt heute. Staatliche Maßnahmen müssen an die neuen demografischen
Gegebenheiten angepasst werden. Ein Beispiel: Frauen zwischen 30 und 45 müssen
in zunehmendem Maße eine dreifache Last tragen – Kinder haben, eine
Karriere machen und alternde Eltern betreuen. Bei einem „Lebenszyklus-Ansatz“
müssen wir unsere Bildungssysteme und Arbeitszeitmuster flexibler gestalten,
um die Menschen zu unterstützen, die Kinder haben wollen, und zwar dann,
wenn sie diese wollen. Des Weiteren sagte er: „Die Mitgliedstaaten müssen
Unternehmen und Bürgern ein eindeutiges Signal geben, damit sie ihre Erwartungen
und Einstellungen verändern, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt“.
Die Strategie der EU für „Wachstum und Beschäftigung“
ist so entworfen worden, dass sie die Herausforderungen der zunehmenden Alterung
annehmen kann. Sie legt konkrete Reformschritte fest: wie Unternehmen arbeiten,
wie wir die Arbeit organisieren und wie wir den Wandel bewältigen –
all das muss sich ändern. Die heutige Mitteilung ruft nicht zu einer neuen
Strategie im Umgang mit der Überalterung auf, sondern sie betont, dass
die Mitgliedstaaten sich stärker bemühen und die Strategie für
„Wachstum und Beschäftigung“ umsetzen müssen. In alle
Politikbereiche muss die Herausforderung durch die Überalterung der europäischen
Bevölkerung einbezogen werden.
Die Europäer leben länger bei besserer Gesundheit
und Frauen haben beim Zugang zum Arbeitsmarkt ein größeres Maß
an Gleichberechtigung erreicht. Dies sind positive Entwicklungen. Wir müssen
aber insbesondere auch die Rentenpolitik reformieren. Erste Reformergebnisse
in den Mitgliedstaaten sind ermutigend und beweisen, dass Europa sich der Herausforderung
stellen kann.
Heutzutage kommen vier Menschen im arbeitsfähigen Alter
auf jede Person von über 65. Die zurückgehende Geburtenrate, eine
ansteigende Lebenserwartung und die Verrentung der Babyboom-Generation laufen
darauf hinaus, dass sich dieses Verhältnis bis 2050 sich verschlechtert
und zwei Arbeitnehmer für einen Rentner bezahlen werden. Aber auch, wenn
der Anteil der europäischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter
zurückgeht, wird vorausgeschätzt, dass sich die Gesamtbeschäftigung
in der EU bis 2017 weiterhin erhöhen wird, was darauf zurückzuführen
ist, dass mehr Frauen und ältere Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten
und im Erwerbsleben verbleiben.
Die heutige Mitteilung stellt ein Follow-up zu der vor kurzem
durchgeführten öffentlichen Konsultation zum Thema Demografie[1] und
zu dem Informellen Gipfel von Hampton Court vom Oktober 2005 dar. Am selben
Tag leitet die Europäische Kommission eine Anhörung bei den Sozialpartnern
zur Vereinbarkeit von Berufs-, Privat- und Familienleben ein und veröffentlicht
eine Mitteilung zur Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen (siehe
IP/06/1356).
Einleitung der ersten Phase der Anhörung der Sozialpartner
zur Frage der Vereinbarkeit von Berufs-, Privat- und Familienleben
Viel ist schon auf EU-Ebene erreicht worden, um Ansprüche
der Arbeitnehmer auf Mutterschafts- und Elternurlaub sicherzustellen. In den
Mitgliedstaaten, die über die gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften auf
diesem Bereich hinausgegangen sind, haben sich die Vorteile von Maßnahmen
zur Vereinbarkeit erwiesen: man verbindet flexible Arbeitsmodelle mit Betreuungseinrichtungen
hoher Qualität für Kinder oder andere hilfsbedürftige Familienmitglieder
und stellt damit sicher, dass sich mehr Frauen am Arbeitsmarkt beteiligen.
Das Demografieforum
Die meisten der mit der Demografiedebatte zusammenhängenden
Fragestellungen fallen in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten, sie betreffen
jedoch die EU insgesamt. In der Folge der heutigen Mitteilung wird die Kommission
am 30. und 31. Oktober das erste zweijährliche Europäischen Demografieforums
in Brüssel veranstalten, bei dem nationale einschlägige Regierungsexperten
und Spezialisten zusammenkommen. Man beabsichtigt, vorbildliche Vorgehensweisen
hinsichtlich der zunehmenden Alterung zu ermitteln und auszutauschen (zu Beispielen
erfolgreicher Maßnahmen aus den Mitgliedstaaten siehe MEMO/06/372), um
so den Mitgliedstaaten neue Ideen zu vermitteln und dazu beizutragen, dass die
Überalterung nicht mehr als Bedrohung unseres wirtschaftlichen und sozialen
Wohlergehens wahrgenommen wird.
Link to Communication on Demography:
http://ec.europa.eu/employment_social/news/2006/oct/demography_en.pdf
Link to Communication on First-stage Consultation on reconciliation
of professional, private and family life:
http://ec.europa.eu/employment_social/news/2006/oct/consultation_reconciliation_en.pdf
Das Demografieforum:
http://ec.europa.eu/employment_social/emplweb/events/event_en.cfm?id=625Weitere
Informationen:
http://ec.europa.eu/employment_social/social_situation/index_de.htm
[1] Grünbuch 2005 öffentliche Konsultation zum Thema
Demografie.
http://ec.europa.eu/employment_social/news/2005/mar/comm2005-94_de.pdf
http://ec.europa.eu/employment_social/news/2005/mar/comm2005-94_fr.pdf
http://ec.europa.eu/employment_social/news/2005/mar/comm2005-94_en.pdf