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Schweizer Unternehmen sind
schlechter auf das Altern ihrer Belegschaften eingestellt als der Durchschnitt
ausgewählter Länder der EU. Im Vergleich mit 7 Ländern der EU
(UK, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Belgien, Niederlande) landet
die Schweiz auf dem vorletzten Platz. Das ist das Ergebnis der bislang umfangreichsten
Untersuchung der „demographischen Fitness“ von Schweizer Unternehmen,
das heute vom Adecco Institut und Adecco Schweiz präsentiert wurde.
Verglichen mit dem Jahr
2000 wird bis 2020 in der Schweiz die Zahl der Arbeitskräfte im Alter zwischen
30 und 44 um ein Fünftel abnehmen, die Anzahl der Arbeitskräfte im
Alter zwischen 50 und 64 Jahren jedoch um ein Drittel zunehmen. Die Anstieg
in der Gruppe zwischen 60 und 64 Jahren beträgt sogar 50 Prozent. Der Anteil
der Unter-19-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird im gleichen Zeitraum
um 16 Prozent schrumpfen. Schon im Jahr 2010 wird die Mehrzahl der Schweizer
Arbeitskräfte (55 Prozent) über 40 Jahre alt sein.
Das Bewusstsein bei Schweizer
Unternehmen für diese demographischen Veränderungen ist ausserordentlich
hoch. Während im Durchschnitt der 8 untersuchten europäischen Länder
der demographische Wandel als zweitwichtigste Herausforderung nach der Globalisierung
gesehen wird, rangiert bei den 500 untersuchten Schweizer Unternehmen der demographische
Wandel auf Platz 1 der grössten unternehmerischen Aufgaben der Zukunft,
vor Globalisierung und technischem Fortschritt.
Gleichwohl gehören
Schweizer Unternehmen in Europa zu denen, die am wenigsten darauf vorbereitet
sind. Fast die Hälfte der Unternehmen hat weder Pläne gemacht noch
Massnahmen getroffen, um auf die demographischen Veränderungen zu reagieren.
60 Prozent der Unternehmen können keine Auskunft geben über die Altersstruktur
ihrer Belegschaft.
Insgesamt schneidet die
Schweiz im Ländervergleich von 8 europäischen Ländern schlecht
ab und landet auf dem vorletzten Platz. Für die Bewertung zugrunde gelegt
wurde der Demographische Fitness Index DFX. Der DFX wurde vom Adecco Institut
entwickelt. Er dient Unternehmen dazu festzustellen, inwieweit sie auf das Altern
Ihrer Belegschaft vorbereitet sind.
Der Demographische Fitness
Index DFX: Schweiz erreicht 174 von 400 Punkten
Der DFX untersucht anhand
definierter Bewertungskriterien fünf Handlungsbereiche der Personalpolitik,
die über die demographische Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheiden.
Die Ergebnisse werden in Form eines Index von 100 bis 400 Punkten dargestellt.
Die untersuchten Bereiche sind: Karrieremanagement, lebenslanges Lernen, betriebliches
Gesundheits- und Wissensmanagement sowie der generationsübergreifende Einsatz
von Arbeitskräften (Age Diversity Management).
Das Adecco Institut hat dazu in 8 Ländern (UK, Frankreich, Italien, Spanien,
Deutschland, Belgien, Niederlande und Schweiz) jeweils 500 Unternehmen aller
Branchen und Grössenordnungen untersucht, also 4.000 insgesamt. Anhand
der Auswertungsergebnisse für die einzelnen Unternehmen können Länderindices
errechnet werden. Die Schweiz kommt auf 174 von 400 möglichen Punkten und
damit nur auf den 7. Rang unter den acht untersuchten Ländern, vor Frankreich
mit 172 Punkten. Der Durchschnittswert für die acht Länder ist 182.
Die Spitzenposition nimmt das Vereinigte Königreich (UK) mit 189 Punkten
ein, vor Italien mit 186 Punkten, gefolgt von Belgien und Spanien mit jeweils
185 Punkten und den Niederlanden mit 181 Punkten.
Die gute Nachricht für
die Schweiz ist, dass 5 Prozent aller Firmen einen DFX von über 300 erzielen
(UK: 4 Prozent), eine merkliche Anzahl von Schweizer Unternehmen also bereits
Weltklasse-Niveau erreicht hat. Überdurchschnittlich gut schneidet die
Schweiz auch beim Wissensmanagement ab und bei der Vorausplanung des Bedarf
an Fach- und Führungskräften (23 Monate Planungshorizont versus weniger
als 18 Monate im Durchschnitt).
Länderübergreifende
Resultate der Studie
Der europäische DFX-Durchschnittswert
von 182 Indexpunkten zeigt, dass unternehmensseitig in Europa noch ein beträchtlicher
Aufholbedarf besteht, um den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnen
zu können. Länderunabhängig lassen sich als Ergebnisse der Erhebung
festhalten:
• Nur wenige Unternehmen
bieten ein ausreichendes Spektrum an Möglichkeiten zur Gestaltung der
Berufslaufbahn ihrer Mitarbeiter an, und nur ein geringer Anteil der Mitarbeiter
macht davon Gebrauch, insbesondere nicht die Altersgruppe der über 45-Jährigen.
• Unternehmen bieten Fortbildungsmöglichkeiten an, die nur von
ca. 50 Prozent der Belegschaft in Anspruch genommen werden. Dabei handelt
es sich grossteils um standardisierte Trainings, deren Schwerpunkt nur in
geringem Masse auf individuelle Erfordernisse oder Schlüsselqualifikationen
ausgerichtet ist.
• Im Bereich Wissensmanagement fehlen häufig strukturierte Informationen
darüber, wo sich das Fachwissen konzentriert, d.h. darüber, welche
Mitarbeiter über welche Fachkenntnisse verfügen.
• Im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements besteht europaweit
Verbesserungsbedarf. In nur wenigen Unternehmen geht das Angebot über
die obligatorischen Vorsorgeprogramme (z.B. Kontrolluntersuchungen) hinaus
und umfasst längerfristige Massnahmen, beispielsweise Beratung zu Themen
wie Stressbewältigung, Ernährung oder gesunde Lebensweise.
• Obwohl die grosse Mehrheit der Unternehmen die gesetzlichen Vorschriften
zum Thema Altersvielfalt einhält und formal alle Altersgruppen gleich
behandelt werden, sind darüber hinausgehende Massnahmen wie die persönliche
Betreuung durch einen Mentor und die generationenübergreifende Weitergabe
von Erfahrungswissen nur selten zu finden.
Die Studie macht deutlich,
dass solche Massnahmen nicht der Gewissensberuhigung dienen, sondern vielmehr
reale wirtschaftliche Konsequenzen haben. Durch einen höheren DFX kann
ein Unternehmen seine Konkurrenzfähigkeit, seine Innovationskraft und seine
Produktivität um bis zu 20 % steigern. Das heisst: eine Verbesserung der
demographischen Fitness hat einen unmittelbar positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg.
Die Alterung der Gesellschaft
ist ein in ganz Europa eintretende Entwicklung, mit der Herausforderungen, aber
auch Chancen verbunden sind. Langfristig gehört die Zukunft in Europa den
Unternehmen, die sich diesen Herausforderungen stellen und die Chancen des demographischen
Wandels nutzen.
Das Adecco Institute wird
seinen DFX-Index jährlich veröffentlichen und so Unternehmen und politischen
Entscheidungsträgern ein Instrument zur Messung der europäischen Fortschritte
im Bereich der demographischen Fitness zur Verfügung stellen.