Die zukünftigen Rentner werden wieder länger arbeiten müssen, wollen sie ihren Lebensstandard im Alter aufrechterhalten. Das zeigt eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts empirica im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).
Die gesetzliche Rente wird den Lebensstandard im Alter nicht mehr sichern können. Die aktuelle DIA-Studie „Länger arbeiten im Alter. Möglichkeiten und Grenzen“ prüft, wie die Bevölkerung auf diese Tatsache reagieren könnte. „Diese kann erstens sich im Alter bescheiden, zweitens mehr sparen und/oder drittens länger arbeiten. Alle diese Optionen haben eines gemeinsam: Sie verlangen erhebliche Opfer“, stellt Professor Dr. Meinhard Miegel, wissenschaftlicher Berater des DIA, im Vorwort der Untersuchungsergebnisse fest.
Sparwille völlig unzureichend
Über Einschränkungen des Lebensstandards im Alter mag spekuliert werden. Nach ausreichendem Sparen zur Erhaltung des Existenzniveaus sieht es derzeit jedenfalls nicht aus. Um die künftig niedrigeren Nettorenten auszugleichen, müssten die Babyboomer schon seit Jahren rund sechs Prozent ihres Bruttoeinkommens für das Alter zurücklegen. Davon sind – laut aktuellem DIA-Rentenbarometer vom Februar 2005 – die heute unter 50-Jährigen aber weit entfernt. Von den 30- bis 49-Jährigen hat nämlich nur ein Viertel einen privaten oder betrieblichen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen, nur weitere acht Prozent planen dies für die Zukunft. Offensichtlich entscheiden sich die zukünftigen Rentner für längeres Arbeiten.
Länger arbeiten als dritte Alternative
Das allmähliche Verschieben des Ruhestands wird die Zahl der 60 bis 64 Jährigen Erwerbspersonen von heute rund einer Million bis 2025 auf knapp vier Millionen fast vervierfachen. Somit ist eine Gefährdung des zukünftigen Wirtschaftswachstums wegen eines Mangels an (jüngeren) Arbeitskräften in den nächsten Jahrzehnten nicht erkennbar. Denn zusammen mit steigenden Frauenerwerbsquoten und früherem Berufseinstieg wird die Zahl der Erwerbspersonen erst nach 2030 unter das heutige Niveau sinken. Allerdings wird das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen deutlich steigen. Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind dramatisch.
Das Ende des Senioritätsprinzips?
Die bisherige Praxis der Unternehmen, Beschäftigte mit steigendem Alter in höheren Positionen bei höheren Bezügen zu befördern und gleichzeitig die älteren Arbeitnehmer, die das erforderliche Produktivitätsniveau nicht mehr erbringen, in den Vorruhestand zu schicken, wird zusammenbrechen. Instrumente wie befristete oder an Funktionen geknüpfte Leistungszulagen, betriebsbedingte Änderungskündigungen, Zeitverträge, Beförderungen auf Zeit u.a. werden zum Einsatz kommen. Auch wird den älteren Arbeitnehmern zukünftig eine höhere Mobilität abverlangt. Es wird zur Routine werden, Qualifikationen zu erneuern. Die Studie gründet ihren Optimismus auf den gleichgerichteten Interessen der Arbeitnehmer und der Unternehmen, die individuelle Leistungsfähigkeit zu erhalten und auszubauen.
„Die luxuriöse Lösung zwischen 1955 und 2005, die es über Jahrzehnte hinweg erlaubte, den entsprechenden Rentnergenerationen ein hohes Einkommen zu ermöglichen, lassen sich nicht mehr fortsetzen“, resümiert DIA-Sprecher Bernd Katzenstein. „Ein solcher Sozialstaat ist unter den demografischen Bedingungen der Jahre 2030 oder 2040 nicht mehr finanzierbar. Das muss die Bevölkerung schleunigst begreifen.“ Katzenstein fordert deshalb, das Reformtempo in der Politik und die Anpassungen in den Unternehmen sowie den Arbeitsmärkten zu beschleunigen. „Altersarmut könnte sonst wieder zu einer massenhaften Erfahrung werden.“
Die Studie „Länger arbeiten im Alter. Möglichkeiten und Grenzen“ kann unter www.dia-vorsorge.de angefordert werden.